Hinterhofidylle

Ich muss mich dann doch auch mal aufregen. Allerdings ist meine Aufregung von gestern inzwischen leicht gewichen, so dass es nicht mehr ganz so aufregend wird.

Seit gestern blicken wir auf dieses „wunderschöne“ Hinweisschild, wenn wir aus dem Schlafzimmerfenster blicken:

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Zutritt für Hunde verboten

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Das Baumaterial ist inzwischen verschwunden, das Schild ziert jetzt mit fünf weiteren unseren Hinterhof… Arrgh! Der Eigentümer macht sich derzeit nicht wirklich beliebt, nicht dass Hunde auf dem Hinterhof nicht mehr laufen dürfen, was für ganz viele Mieter sicher kein Problem darstellt, da sie keinen Hund haben, aber nach Angaben der Hausverwaltung dürfen auch keine Rollatoren oder Kinderwägen in den Hausfluren abgestellt werden.

Hmm. Uns betrifft nur der Kinderwagen, der wöchentlich dem Reinigungspersonal ein Dorn im Auge ist und die starken Männer ein Problem damit haben, diesen zur Seite zu schieben, damit sie den Quadratmeter, den der Kinderwagen verstellt, auch wischen können. Die Verwaltung ist der Meinung, das Kinderwägen und Rollatoren im Keller Platz finden könnten… Jaaa. Man stelle sich folgende Person vor: eine kleine alte Frau von etwa achtzig Jahren, ihrem Alter entsprechend gekleidet, womöglich in Rock und „guter Jacke“, graue Haare mit frischer Lockenfrisur, die aber inzwischen Probleme mit dem Laufen hat, ihre Wohnung im ersten Stockwerk aber nicht aufgeben möchte, um in ein Heim einzuziehen. Besagte alte Dame, ich bin mir sicher jeder kann sich so ein „Ömchen“ vorstellen, geht aber mindestens zweimal, wenn nicht sogar dreimal die Woche noch einkaufen oder spazieren, wenn es das Wetter zu lässt. Nun kommt sie also gerade so die Treppe zu ihrer Wohnung hoch und runter, hält sich mit dem Rollator aufrecht und soll den nun noch aus dem Keller (ohne Aufzug, is schliesslich Altbau…) ihren Rollator hochzockeln???

Es gibt logischerweise nicht nur alte Damen mit Rollator sondern auch nette Herren.  Und diese wohnen auch nicht alle in der ersten Etage, manche im Erdgeschoss, aber andere auch noch weiter oben. Familien mit Kinderwagen wohnen auch nicht alle im Erdgeschoss und keiner von denen möchte, bei dem derzeitigen oder auch anderem Wetter, seinen Kinderwagen mit in die Wohnung nehmen.  Momentan sieht es danach aus, das unsere Hausverwaltung keine Leute mit Kindern und oder Hunden und ältere Leute, die auf ihre Gehwagen angewiesen sind im Haus haben möchte. Das Klientel sollte wenn möglich viel Geld verdienen, um sich die Miete auch leisten zu können(wurde dieses Jahr ja erst um 40 Euro angehoben…), möglichst jung sein, um keine Fluchtwege mit Rollatoren zu verstellen und keine Kinder wollen. Wir wohnen inzwischen fast zehn Jahre in dem Block und haben schon viele Leute ein und auch ganz schnell wieder ausziehen sehen. Eigentlich sind wir mit unserem Aufgang, was die Nachbarn angeht auch sehr zufrieden. Allerdings wissen wir nicht, wie lange wir noch mit „dem Eigentümer“ zufrieden sind…

So, das musste einfach mal geschrieben werden. Jetzt geht’s mir etwas besser.

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7 Gedanken zu “Hinterhofidylle

    • berlienchen 20. Oktober 2015 / 22:39

      Hallo Jay Ann!

      Ich bin ganz ehrlich, irgendwie warte ich auf so eine Antwort. Aber zum Glück gibt es ja sowas wie Meinungsfreiheit und ich hab „den Eigentümer“ ja nicht namentlich genannt. Wer weiss, was der sich demnächst einfallen lässt…!

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  1. mellie1103 21. Oktober 2015 / 9:47

    Ja auch so kann man seine Wohnungen leer kriegen… Dann habt ihr ja jetzt einen wundervollen Ausblick aus dem Fenster! 😀

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    • berlienchen 21. Oktober 2015 / 23:21

      Ach hör mir auf! Nun fehlen die Schilder noch in den „Vorgärten“, schliesslich rennen da viel mehr Hunde lang und da kümmert sich niemand um die Hinterlassenschaften seiner Vierbeiner…Aber das wird wohl nicht passieren, denn das Gebäude is ja Denkmalgeschützt und dann geht das wohl nicht (?)

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      • Jay Ann 25. Oktober 2015 / 22:53

        Das Problem: Die Nachfrage ist zu groß, deswegen können sich Wohnungseigentümer sowas leisten. Wenigstens sind nicht alle so. Normalerweise ist ein privater Eigentümer immer besser (und auch günstiger) als eine der gängigen Berliner Wohnungsgesellschaften :/

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  2. Frau Birkenbaum 23. Oktober 2015 / 0:30

    Na super… Das klingt ja nach einem „Wohlfühlparadies“… 😦 Schlimm, aber leider führt der Wohnungsmarkt in immer mehr Städten dazu, dass Vermieter sich so etwas erlauben können. In meiner Stadt ist es ähnlich, mit Hund oder Kindern erntet man hochgezogene Augenbrauen und darf weitersuchen. Und der Stadtwald, der wirklich ein natürlicher Wald ist, hat nun eine ganzjährige Leinenpflicht bekommen – aus Naturschutzgründen. Dass da mitten in der Brut- und Setzzeit jedes Frühjahr ein Marathon mit mehreren tausend Teilnehmern veranstaltet wird, scheint naturschutzkonform zu sein.
    Mich macht so etwas sehr traurig. Menschen sollten sich doch gegenseitig nicht so das Leben schwer machen. Es geht uns hier so gut, andere können über solche Problemchen“ nur den Kopf schütteln.

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  3. berlienchen 23. Oktober 2015 / 1:12

    Ja, aber es geht doch nichts über „Verbotsschilder“! Mich ärgert es nur, weil wir zu den Hundehaltern gehören, die die Hinterlassenschaften auch wegräumen. Über die letzten Jahre haben wir Kontakt über den Hund zu anderen Familien mit Kindern aufgenommen und so hat Lucy ihre Angst vor kleinen Menschen verloren. Die Kinder haben mit ihr zusammen auf dem Hof Ball gespielt und rumgetobt… das wirds dann jetzt wohl nicht mehr geben, da ja genug Leute an den Fensterscheiben kleben und darauf warten, auf die „Verbotsschilder“ hinweisen zu können… Aber die Motoräder dürfen weiter über die Gehwege donnern. Ach, das ist alles einfach nur ärgerlich, wenn es einen persönlich betrifft. Ich bin nur gespannt, was aus den Kinderwägen wird, denn in drei Wochen steht Nachwuchs bei uns im Aufgang an…

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