intime Erfahrung beim Friseur

Ich hatte heute einen Tag für mich allein, na gut, nicht den ganzen Tag und ganz allein war ich auch nicht, das geht ja in Berlin auch irgendwie kaum, wenn man in die Stadt fährt… Ganz allein heißt, ich hatte beschlossen, mal etwas für mich zu tun und habe meinem Mann ein paar Stunden mit unserem Knirps gegönnt. Frau ist in ein großes Einkaufszentrum in der Stadt gefahren, um zum Friseur zu gehen, was Frau halt so ein bis zweimal im Jahr macht – bei langen Haaren geht das, wobei die Friseure immer der Meinung sind, dass man auch ruhig noch öfter kommen kann. Ja, aber dann werden die Haare zu kurz 🙂

Ich war heute also beim Friseur. Warum ich das so thematisiere? Gute Frage. Wie ich da so beim Friseur sitze und warte, dass ich ran komm, werde ich von Ismael gefragt, ob ich etwas trinken möchte und was denn bei mir gemacht werden soll… Er schreibt meinen Namen sowie WSF – Waschen, Schneiden Föhnen – auf die Karte und bringt mir ein stilles Wasser. Danach warte ich weiter und beobachte die Menschen um mich herum. Die Menschen im Salon, die Menschen, die neu in den Salon kommen und die Menschen, die herein gucken oder einfach nur vorbei gehen. Zwischendurch starre ich wie viele Leute auf mein Handy, großartig spielen oder so is nicht drin, ich hatte vergessen es aufzuladen.

Irgendwann bin ich dran. Ismael bringt mich zu „meinem“ Platz. Die Friseurin, deren Namen ich inzwischen wieder vergessen habe, ich bin mir sicher, meinen weiß sie jetzt auch nicht mehr, fragt mich auch noch einmal, was gemacht werden soll, wie viel denn abgeschnitten werden soll und ob ich ne Pflege haben möchte. Ich weiß, dass eine Pflege 11,00 Euro extra bedeuten und lehne ab. Also landen auf der Karte nur 36,00 Euro für Waschen, Schneiden und Föhnen. Ismael, der seit dem 01.09. dort der neue Azubi ist, wird gebeten, mir die Haare zu waschen, was er auch gut gemacht hat. Das ist beim Friseur ja auch immer so ein Ding für sich… Meine Friseurin kam dann mit dem Duft einer Zigarettenschachtel – nee, nur der Qualmwolke einer abgebrannten Zigarette wieder zurück an meinen Stuhl, um dann festzustellen, dass Ismael den Konditioner nicht ausgespült hatte. Ja, hatte er mir erklärt, dass er dass nach der Einwirkzeit macht, sie war einfach zu schnell von ihrer Zigarettenpause zurück… So hat sie mir die Haare noch einmal gespült. Was soll ich sagen?! Ismael hatte es besser gemacht 😉

Nun ging es also endlich ans Haare schneiden und Föhnen und ich sitz da so in meine Gedankenwelt versunken: Es is doch schon ein recht intimer Moment beim Friseur. Nein? Doch! Man sitzt da bei einem fremden Menschen, der einem die Haare schneiden darf oder die Haare waschen oder die Haare färben… Ich war nun zu einer Zeit da, wo der Salon recht gut besucht war und weitere drei Friseurinnen mit anderen Kunden beschäftigt waren, dazu zwei Azubis und im Wartebereich saßen noch drei Leute… Ich konnte dem ganzen Gewusel durch die großen Spiegel wunderbar folgen und fand es bisweilen recht amüsant, in was für eine Situation man sich freiwillig begibt: man sitzt da in einer Aufmachung, wie man sich nicht mal zum Briefkasten trauen würde, wenn man zu Hause ist! Die Haare vom Friseur wild auf dem Kopf zusammengeknotet, um gleich geschnitten zu werden, die Haare nach oben drapiert, damit die Farbe haften kann oder gerade frisch frottiert… Neben mir saß ein junger Mann mit eine Farbpackung auf dem Kopf, die Haare nach oben „gestylt“, damit die Farbe auch ordentlich einziehen kann. Hinter mir saß ein Mann, der seine Haare gerade frottiert bekam und anschließend auch sehr strubbelig drein schaute. Daneben saß eine Mutter mit ihrem Kind, der sich beim Haare schneiden ein Buch anschaute, damit er den Kopf einigermaßen still hält. Dann saß da noch eine Frau, die ihre Haare gerade geföhnt bekam. In meiner Reihe war ebenfalls noch ein Vater mit seinem Sohn, der allerdings schon etwas größer war und keine Ablenkung mehr brauchte. Diesen Moment teilt man also mit wild fremden Menschen. Von draußen können alle Besucher der Mall in den Salon blicken und erhalten ebenfalls einblick in das haarige Chaos auf den Köpfen… Wie gesagt, ich würde nie mit frisch am Ansatz gefärbten Haaren auf die Strasse gehen, wo mit hundertprozentiger Sicherheit nicht ansatzweise so viele Menschen rum laufen würden wie dort, da man sich ja nicht blamieren möchte und da setzt man sich dem ganzen einfach so aus?!!

Mir ist aufgefallen, dass die Männer an die Sache mit mehr Humor rangehen als die Frauen. Der junge Mann neben mir war ständig mit seinem Handy beschäftigt, er grinste immer vor sich hin. Der Mann hinter mir grinste auch immer wieder in den Spiegel, dabei war für mich schwer auszumachen, ob er ähnliche Gedanken hatte wie ich oder sich einfach nur über die Damen lustig machte. Nein, natürlich hat er nur mit seiner Friseurin geflirtet…!

Irgendwann war ich dann fertig, wieder chic auf dem Kopf und präsentable für die anderen Besucher und Geschäfte in der Mall, weg von den beobachtenden Spiegeln und den freizügigen Blicken der anderen Salonbesucher.